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Kapitel 1

Als ich eintrat, hörte ich meine Schwester den Namen meines Schicksalsgefährten stöhnen.

Der Laut riss durch mich wie Klauen über Knochen - roh und unerbittlich. Meine Lungen krampften sich zusammen, meine Nägel gruben sich in den hölzernen Türrahmen und jede Faser meiner Wölfin schrie meinen Namen. Doch da war er - Damien Blackwood, der Alpha des größten Rudels in den nördlichen Territorien und mein bestimmter Gefährte - mit seinen Zähnen in Serenas Nacken vergraben, nicht in meinem.

„Miriam.“ Die Augen meiner Schwester weiteten sich, ihre Lippen waren geschwollen und ihre Haut war bereits mit seinem Zeichen bedeckt.

Damien zuckte nicht einmal. Sein bernsteinfarbener Blick nagelte mich fest: kraftvoll und gnadenlos.

„Du solltest das nicht sehen.“ Seine Stimme klang wie dunkler Samt, gefährlich genug, um mich mit ihrer Ruhe zu ersticken.

Ich konnte nicht atmen. Achtzehn Jahre lang hatte ich auf diesen Mann gewartet, hatte trainiert, geblutet und zur Mondgöttin gebetet, damit sie uns verbindet. Und sie hatte es getan. Ich hatte es in meinen Knochen gespürt, als sich unsere Augen letzte Woche bei der Versammlung zum ersten Mal trafen. Dieser magnetische Zug, das sengende Feuer unter meiner Haut, die unbestreitbare Gewissheit des Schicksals.

Doch nun? Das Feuer verwandelte sich in Säure.

„Du bist mein Gefährte“, flüsterte ich, meine Stimme zerfetzt vor Unglauben. „Du solltest mir gehören.“

Er stand auf und ragte über uns beide hinaus. Er hatte das Hemd aufgeknöpft und seine Adern pulsierten mit Alpha-Hitze. „Ich bin zuerst Alpha, dann Gefährte. Und das Rudel braucht sie, nicht dich.“

Sie. Serena. Meine perfekte Schwester, goldhaarig, geliebt, makellos.

Das Lachen, das aus mir herausbrach, war gezackt und hohl. „Also wirst du die Göttin selbst verraten?“

Damien stapfte auf mich zu. Der Duft von Zeder und Blut klebte an ihm. Meine Wölfin wimmerte in meiner Brust, zerrissen zwischen Wut und einem verzweifelten, schmerzenden Verlangen. Seine Hand packte mein Kinn und zwang mich, seinen Blick zu erwidern.

„Ich verrate niemanden. Die Göttin gab mir zwei Möglichkeiten. Und ich habe mich entschieden.“ Seine Lippen streiften mein Ohr und seine Worte versengten mich: „Aber denk nicht, dass ich dich jemals gehen lasse.“

Dann versenkte er seine Zähne in meine Haut.

Der Schmerz war blendend, elektrisch, eine Feuerkette, die durch jeden Nerv peitschte. Meine Wölfin heulte in mir, ihre Klauen kratzten an meinen Rippen, ich wurde hin- und hergerissen zwischen Ekstase und Qual. Sein Zeichen brannte sich in mein Fleisch ein, beanspruchte, was er kein Recht hatte zu beanspruchen, und band mich an ihn, während er sich bereits an sie band.

Als er sich schließlich zurückzog, tropfte Blut an meinem Schlüsselbein herab. Meine Knie knickten ein, doch ich weigerte mich zu fallen.

Serenas Stimme zitterte entsetzt. „Damien, was hast du getan?“

Er grinste und wischte mein Blut mit dem Handrücken von seinem Mund. „Genau das, was ich wollte.“

Ich taumelte rückwärts, umklammerte meinen Hals. Mein Herz schlug so heftig, dass ich dachte, es könnte sich losreißen. Mein Zeichen pulsierte im Einklang mit seinem und fesselte mich an den Mann, der mich gerade zerstört hatte.

„Du kannst uns nicht beide binden“, keuchte ich, und meine Stimme brach. „Es wird uns töten - mich töten -“

„Oder dich stärker machen.“ Sein Blick brannte in mir. Etwas Verdrehtes und Besitzergreifendes glänzte darin. „Du wirst lernen, zu teilen, kleine Wölfin. Oder du wirst brechen.“

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