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Das gebrochene Versprechen

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Mina
14
Kapitel
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9.0
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Zusammenfassung

Der Alpha Ryan weist Elena öffentlich als Gefährtin zurück und wählt ausgerechnet ihre beste Freundin Serena zur neuen Luna. Doch Elena erinnert sich an ihr früheres Leben: Serena vergiftete sie, raubte ihr ungeborenes Kind und nahm ihr alles. Statt zu flehen, verlässt Elena das Rudel und folgt dem Vampirkönig Lucian – ihrem Gefährten einer zweiten Chance. An seiner Seite wird sie zur ersten Vampirkönigin seit tausend Jahren und entdeckt eine Macht, die die alte Ordnung erschüttern kann. Als Elena Zwillinge erwartet – einen Vampirerben und das erste Vampir-Wolf-Hybridkind der Geschichte –, erklären ihre Feinde ihren Kindern den Krieg. Doch diesmal ist sie nicht mehr das Opfer. Und als eine uralte Prophezeiung erwacht, beginnt der Kampf um die Zukunft aller Clans.

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Kapitel 1

In meinem früheren Leben hatte meine beste Freundin Serena mir Wolfsbann eingeflößt, als ich im neunten Monat schwanger gewesen war. Sie sah dabei zu, wie ich auf dem Badezimmerboden mein Kind verlor, und heiratete noch im selben Winter meinen Alpha-Gefährten.

Als ich die Augen wieder aufschlug, fand ich mich in der Nacht der Luna-Zeremonie wieder.

„Elena, nimm es einfach mit Würde hin.“

Serenas Stimme glitt wie eine Schlange durch die Halle des Rudels – süß wie Honig und zugleich voller Gift. Sie stand Seite an Seite mit Alpha Ryan, ihre Finger mit seinen verschränkt, und trug das weiße Zeremonienkleid, das eigentlich mir zugestanden hätte.

„Ryan hat sich für mich entschieden. Er hat mich schon immer geliebt. Du warst bloß … praktisch.“

Das Mal der Gefährten an meinem Hals brannte noch immer. Ryan hatte mich vor drei Monaten unter dem Blutmond gezeichnet, mir ewige Treue geschworen und seitdem jede Nacht mein Bett geteilt.

Jetzt brachte er es nicht einmal fertig, mich anzusehen.

„Ich, Alpha Ryan vom Silvercrest-Rudel, weise Elena Ashford als meine Gefährtin und Luna zurück.“

Seine Worte trafen mich wie eine silberne Klinge mitten ins Herz. Das Gefährtenband begann zu zerreißen, Faser für Faser, als würde Stacheldraht meine Seele auseinanderreißen.

In meinem früheren Leben war ich genau hier zusammengebrochen. Hatte gefleht. War vor dreihundert Wölfen auf die Knie gesunken und hatte geweint, während Serena hinter Ryans Schulter triumphierend lächelte.

Danach hatte ich zwei Jahre damit verschwendet, ihn zurückzugewinnen – nur um schließlich vergiftet, verblutend und meines ungeborenen Kindes beraubt auf eiskalten Fliesen zu sterben.

Doch diesmal nicht.

Ich richtete mich auf und lächelte.

„Ich akzeptiere deine Zurückweisung.“

Mit einem Schlag verstummte die ganze Halle.

Ryans Augen weiteten sich. Damit hatte er nicht gerechnet. In jedem Szenario, das er gemeinsam mit Serena durchgespielt hatte, hätte ich weinen sollen. Betteln sollen. Ihnen die Genugtuung schenken sollen.

„Elena …“

„Du hast mich gehört.“ Ich löste die silberne Halskette, die er mir einst geschenkt hatte – die Kette der Luna – und ließ sie ihm vor die Füße fallen. Das Metall schlug mit einem hellen Klang auf den Steinboden, wie das Läuten einer Totenglocke.

„Sie gehört jetzt dir.“

Serenas siegessicheres Grinsen geriet ins Wanken. So hatte das Drehbuch nicht ausgesehen.

„Das wirst du bereuen“, zischte Serena. „Kein Rudel nimmt einen zurückgewiesenen Wolf auf. Du wirst niemand mehr sein. Du wirst …“

„Frei“, beendete ich ihren Satz.

Ich drehte mich um und ging auf die Türen zu.

Dreihundert Augenpaare folgten mir in fassungslosem Schweigen. Mein Vater, der Beta des Rudels, sah mich voller Zorn an – nicht Ryan, sondern mich, weil ich die Familie blamiert hatte.

Manche Dinge änderten sich eben nie.

Ich stieß die schweren Eichentüren auf und trat hinaus in die eisige Nacht.

Der Schmerz des zerrissenen Gefährtenbandes raubte mir beinahe den Verstand. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde ich über Scherben laufen. Trotzdem ging ich weiter, denn ich wusste, wer auf mich wartete.

Nicht etwas.

Jemand.

Am Waldrand stand unter den kahlen Bäumen ein schwarzer Wagen mit laufendem Motor. Seine getönten Scheiben waren dunkler als die Mitternacht.

Auch in meinem früheren Leben hatte dieses Auto genau dort gestanden. Doch damals war ich zu blind gewesen, zu verzweifelt auf Ryans Liebe fixiert, um es überhaupt wahrzunehmen.

Die hintere Tür öffnete sich.

Im Wagen saß ein Mann, dessen Gesicht halb im Schatten verborgen lag. Blasse Haut. Augen von der Farbe frischen Blutes. Eine Aura, so gefährlich, dass jeder Wolfsinstinkt in mir schrie, ich solle fliehen.

Lucian Morteaux.

Der Vampirkönig.

Das Wesen, das jeder Gestaltwandler der Allianz mehr fürchtete als den Tod.

In meinem früheren Leben war er auf meiner Beerdigung erschienen – als einziger Nicht-Wolf unter allen Trauergästen. Drei Stunden lang hatte er reglos im Regen gestanden und meinen Sarg angestarrt.

Erst ganz am Ende hatte ich verstanden, warum. Als seine blutroten Tränen auf den Sargdeckel fielen, wurde die Wahrheit viel zu spät ausgesprochen:

Gefährte einer zweiten Chance.

Ich ging auf den Wagen zu und stieg ein.

„Fahr.“

Seine scharlachroten Augen musterten mich mit einer Intensität, die jede Fassade durchdringen und direkt bis in die Seele blicken konnte.

„Du weißt nicht einmal, wohin ich dich bringe“, sagte er. Seine Stimme klang wie dunkler Samt, umhüllt von einer messerscharfen Klinge.

„Hauptsache, weg von hier.“

Die Tür fiel ins Schloss. Der Wagen setzte sich in Bewegung.

Im Rückspiegel schrumpfte die Halle des Silvercrest-Rudels immer weiter zusammen, bis sie völlig verschwand.

Gut so.