Kapitel 4
„Dich glücklich zu sehen“, unterbrach Vivian leise. „Und genau das versuchen wir zu erreichen.“
Damian stand abrupt auf, die Stuhlbeine schabten über den polierten Boden. Er verlor die Fassung, bewahrte aber noch die letzten Reste von Selbstbeherrschung.
—Glück? Ist das das, was Sie in dieser Familie sehen? Verzeihen Sie mir, wenn ich eine andere Definition habe.
—Damian… —beginnte Vivian, doch er brachte sie mit einem Blick zum Schweigen.
„Ich habe dieser Familie alles gegeben, was sie verlangt hat“, sagte Damian kalt. „Mehr bekommen sie nicht.“ Wortlos verließ er das Haus. Die Schwere des Gesprächs hing in der Stille, die er hinterließ. Als die Nacht hereinbrach, streifte die kühle Luft sein Gesicht, doch sie konnte den Sturm in seinem Inneren nicht besänftigen.
Zurück in seinem Auto lehnte sich Damian gegen die Kopfstütze und schloss kurz die Augen, als die Anspannung ihm bis in die Knochen kroch. Die Vergangenheit war eine Wunde, die einfach nicht heilen wollte, und heute Abend schmerzten die Narben mehr als sonst.
Während der Wagen durch die Stadt fuhr, wurde die imposante Silhouette des Elternhauses in der Ferne immer kleiner. Doch die Erinnerungen, die es barg, hafteten ihm wie Schatten an, unnachgiebig und erdrückend.
Elena
Elena wachte mit einem Gefühl der Leere im Magen auf. Ihr erster Gedanke galt der demütigenden Szene vom Vortag, die sich in ihrem Kopf immer wieder abspielte wie ein schlechter Film, den sie nicht abstellen konnte.
Was habe ich getan?
Sie saß auf der Bettkante, starrte auf den Boden, ihre Gedanken rasten. Sie hatte nicht nur eine Szene gemacht; sie hatte mit ihm gestritten – nein, sie hatte ihn angeschrien. Den CEO. Den Chef. Den Mann, dessen Ruf ihm in jedem Gespräch, das sie im Büro mitgehört hatte, vorauseilte. Und als ob das nicht schon genug wäre, hatte sie nicht einmal gewusst, wer er war, bis ihr Teamleiter es ihr später mit einem Blick erklärte, der sagte:
Du bist dem Untergang geweiht.
Die Erinnerung an seine durchdringenden grauen Augen und die kalte Autorität in seiner Stimme ließ sie erschaudern. Doch irgendetwas war an ihm, etwas Komplexes, als wäre er nicht einfach nur der arrogante, autoritäre Mann, vor dem sich alle fürchteten. Er war rätselhaft, und das machte ihn umso einschüchternder.
Wie ist es möglich, dass jemand so viele Facetten seiner Persönlichkeit hat? Welche davon ist die wahre?
Ihr Spiegelbild unterbrach ihre Gedanken. Sie fuhr sich mit der Hand durchs Haar und seufzte.
„Reiß dich zusammen, Elena“, murmelte sie vor sich hin.
—Es ist nur ein Job. Nur ein weiterer Arbeitstag.
Doch es war kein gewöhnlicher Tag. Der Knoten in ihrem Magen verstärkte sich, während sie sich fertig machte; jeder Pinselstrich beim Schminken und jede Korrektur ihrer Kleidung vermochte ihr nicht das Selbstvertrauen zu geben, das sie so dringend brauchte.
Ihre Unsicherheiten flüsterten ihr ins Ohr wie alte Freunde, die sie zu vergessen versucht hatte.
Du bist nicht gut genug. Du gehörst hier nicht hin. Alle werden dich auslachen.
In dem Moment, als sie das Büro betrat, wurden ihre schlimmsten Befürchtungen wahr. Die Leute drehten sich um und starrten sie an, ihre Blicke musterten sie von Kopf bis Fuß, als wäre sie ausgestellt. Geflüster umgab sie wie kleine Stiche. Sie konnte nicht jedes Wort verstehen, aber genug.
—Hast du gehört, was gestern bei der Veranstaltung passiert ist?
—Das ist das neue Mädchen, richtig? Die, die sich mit ihm gestritten hat?
—Sie ist entweder sehr mutig oder sehr dumm.
—Wahrscheinlich dumm. Wer kennt denn nicht Damian Blackwood?
Hast du gesehen, wie er sie angesehen hat? Als ob er sie vernichten wollte.
Elenas Wangen glühten, als sie ihre Schritte beschleunigte und ihre Handtasche fest umklammerte. Ihre Gedanken rasten, sie spielte im Kopf alle möglichen Interpretationen dessen durch, was sie wohl von ihr denken mochten.
Offiziell bin ich jetzt der Gespött des Büros.
Die Aufzugtüren öffneten sich, und sie trat ein, den Kopf gesenkt, den Blickkontakt mit den wenigen Wartenden vermeidend. Sie spürte ihre Blicke und hörte ihre gedämpften Stimmen, obwohl sie nicht über sie sprachen. Ihre Angst durchdrang alles um sie herum. Als der Aufzug ihr Stockwerk erreichte, waren ihre Handflächen schweißnass und ihr Herz raste.
Als sich die Türen öffneten, erstarrte sie einen Moment lang und starrte den Flur entlang. Ihre Teamleiterin saß an ihrem Schreibtisch und tippte wie wild. Elena holte tief Luft und zwang sich, näherzukommen.
„Elena“, sagte Claire Monroe, ihre Teamleiterin, ohne aufzusehen. Ihre Stimme war trocken und professionell. „Ich brauche die Berichte von der gestrigen Veranstaltung bis heute Nachmittag. Und nächstes Mal …“, fügte sie hinzu und hob schließlich eine Augenbraue, „…versuchen Sie, sich nicht lächerlich zu machen.“
Elena biss sich auf die Lippe; sie war sich unsicher, ob sie sich verteidigen oder schweigen sollte.
—Ich wollte nicht…
Claire Monroe hob die Hand und unterbrach sie.
„Tu es nicht. Je weniger du sagst, desto besser. Du hast Glück, dass Mr. Blackwood dich nicht gleich gefeuert hat. Weißt du, wie viele Leute wegen weniger ihren Job verloren haben?“