Kapitel 4
Viktoria starrte auf das nun ruhige Schaumwasser, bedeckte plötzlich ihren Mund, als Tränen kamen. "Es tut mir leid, Timo, ich wollte nicht... Ich war nur zu aufgeregt."
Timo hatte die Stirn gerunzelt, doch sein Blick wurde weicher, als er ihr tränenüberströmtes Gesicht sah. Er seufzte. "Schon gut, ich weiß, du warst nur besorgt."
Doch ich war zu erschöpft, um ihnen noch zuzuhören. Mein Bewusstsein fühlte sich an, als würde es von schwarzen Wellen überspült, mein Atem wurde flacher.
In dem Moment kam Timo von der Klippe herab und erreichte meine Seite.
Er nahm mein Gesicht in beide Hände, versuchte, mich die Augen öffnen zu lassen. "Madleen, halt durch, hörst du mich? Ich bring dich hoch."
Ich hasste seine Berührung, wollte ihn wegstoßen, aber ich hatte keine Kraft mehr.
Sein Gesicht so nah zu sehen, erfüllte mich nur mit Kälte.
Da durchbohrte Viktorias Stimme wie eine vergiftete Nadel die Luft. "Timo, nein. Sie hat sich noch nicht bei mir entschuldigt... Ich meine, so viele Leute gucken zu, alle haben gewettet. Wenn du sie einfach so hochziehst, zeigst du der ganzen Welt, dass du gegen sie verloren hast."
Timos Blick verdunkelte sich plötzlich, als er sich mir zuwandte. "Madleen, entschuldig dich einfach bei Viktoria, dann ist alles vorbei. Ich zieh dich sofort hoch."
Ich sammelte meine letzten Kräfte und lachte kalt. "Träum weiter."
Dann stieß ich ihn mit aller Macht weg. Mein geschwächter Körper machte die Bewegung erbärmlich schwach, aber sie konzentrierte meinen ganzen Willen.
Timos Gesicht wurde eisengrau. Er stand auf und befahl kalt: "Ihr Zustand ist nicht geeignet, noch länger durchzuhalten. Haltet sie fest - bringt sie dazu, sich zu verneigen und zu entschuldigen!"
Zwei Leibwächter seilten sich sofort ab, drückten hart auf meine Schultern. Scharfkantige Steine gruben sich in meine Knie, kalter Schmerz durchfuhr mich, als sie mich zwangen, mich zu beugen.
Ich presste die Zähne zusammen, doch dann hörte ich Viktorias gespielte Panik. "Vorsicht!"
Im nächsten Moment krachte sie von oben gegen mich, drückte mein halbes Gesicht direkt gegen die eiskalte Felswand.
Der harte, raue Stein riss meine Haut auf. Blut floss über meine Stirn, ein metallischer Geschmack breitete sich auf meinen Lippen aus.
Erstickung und stechender Schmerz trafen gleichzeitig. Mein ganzes Gesicht brannte.
Ihre gedämpfte Stimme drang an mein Ohr. "Von Anfang an hatte ich nie vor, dich hier lebend rauskommen zu lassen."
Gerade als ich das Bewusstsein verlor -
Explodierte der Himmel plötzlich mit einem donnernden Dröhnen, tief und kraftvoll.
Die Rotoren eines Hubschraubers peitschten heftige Winde auf, die über die gesamte Klippe fegten und Viktoria taumeln ließen.
Eine Gestalt seilte sich vom Hubschrauber ab, sprang mit sauberen Bewegungen auf die Felswand. Militärstiefel wirbelten eine Wolke von Steinsplittern auf.
Bevor jemand reagieren konnte, kamen die schwarzgekleideten Teammitglieder hinter ihm wie eine Flut herab und schubsten Viktoria grob beiseite.
Viktoria schrie auf, stürzte beinahe von der Klippe.
Der Mann schritt auf mich zu, beugte sich vor und hob mich von der Felswand.
An seiner Brust spürte ich den stetigen, kraftvollen Herzschlag. Er blickte hinab, sein Blick scharf wie eine Klinge. "Wie hast du es nur geschafft, dich so in die Scheiße zu reiten?"
