Kapitel 4
Ich wehrte mich, so gut ich konnte. Es nützte nichts.
„Du bist viel zu aufgewühlt“, sagte Byron ruhig. „Du kriegst jetzt was zur Beruhigung. Dann denkst du klarer.“
Er erklärte der Schwester, was sie tun sollte, und ignorierte mein Flehen.
„Ganz ruhig“, sagte er. „Du schläfst jetzt einfach ein. Und wenn du aufwachst, ist alles wieder gut.“
Es war nicht gut.
Arin nahm es selbst in die Hand.
Sie stieß mir die Nadel in den Arm und ließ sich Zeit - absichtlich. Tropfen für Tropfen spürte ich die eiskalte Flüssigkeit in meine Vene sickern.
Ich schrie. Wirklich geschrien.
Erst nach einer Weile kam Byron herein. Er runzelte die Stirn.
„Was ist denn los? Warum schreist du so?“
Er sah auf die Spritze. Seufzte.
„Arin hat wohl ein bisschen zu viel gewollt. Ist egal - gleich ist es vorbei.“
Er sagte ihr nicht, sie solle aufhören.
Er strich mir nur übers Haar.
„Nur noch kurz. Du schaffst das.“
Die Qual endete, als ich ohnmächtig wurde.
Als ich aufwachte, war Byron weg. Wie erwartet.
Den ganzen Monat blieb er bei Arin.
Am ersten Tag hatte sie Angst vor den Voruntersuchungen. Byron hielt die ganze Nacht vor ihrem Zimmer Wache.
Ich warf jedes Geschenk, das er mir je gemacht hatte, in den Müll.
Am dritten Tag lag Arin nach der künstlichen Befruchtung im Aufwachraum. Byron saß an ihrem Bett und wartete, bis sie die Augen aufschlug.
Ich besorgte mir Medikamente vom Schwarzmarkt, die die Heilung beschleunigen sollten. Zehn Tage Höllenqualen. Dann wurde mir der Gips abgenommen.
Am fünfzehnten Tag war Arins Test positiv. Sie postete ein Foto des Streifens. Vor Glück ganz außer sich.
Byron likte den Beitrag.
Ich löschte meinen Account. Blockierte ihn überall. Tilgte jede Spur.
Am zwanzigsten, am fünfundzwanzigsten Tag - Byron war immer noch bei Arin.
Zu meiner Nachuntersuchung kam er nicht.
Ich nutzte die Zeit, ließ mich entlassen, fuhr zum Anwesen und räumte mein Zimmer aus.
Byron bemerkte nichts.
Einen Monat später - genau am vierten Jahrestag unserer Verbindung - erhielt ich die rechtskräftige Scheidung vom Anwalt.
Ich hätte lachen können.
Ich steckte Byrons Exemplar in einen Umschlag und legte ihn aufs Bett.
Als ich die Tür öffnete, stand er plötzlich vor mir.
„Eunice? Seit wann bist du wieder draußen?“, fragte er. Er trug mehrere Taschen - alles Babysachen.
„Ach, du schon zurück. Arin geht es elend mit der Übelkeit. Du kannst dich ja um sie kümmern.“
Sein Blick war weich. Er machte sich Sorgen - um Arin.
Mich ließ das kalt.
Ich lächelte sogar. Nickte.
„Klar. Ich geh dann mal einkaufen.“
Ich trat durchs Tor. Schritt für Schritt hinaus aus der Familie, die mich vier Jahre gequält hatte.
Eine Stunde später saß ich am Flughafen und wartete aufs Boarding.
Ich verschickte eine Sprachnachricht. Dazu hunderte eingescannte Krankenakten, Untersuchungsberichte. Und einen Vaterschaftstest.
An alle ranghohen Mitglieder der Eugenes. Und anonym an ein lokales Forum.
„Arin, es wird Zeit, dass du zurückzahlst, was du mir schuldig bist.“
„Byron - bist du dir eigentlich sicher, dass das Kind in Arins Bauch überhaupt von dir ist?“
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