3/Wo ist sie?!
[Adelina Krasniqi]
...
Die Waffe befand sich plötzlich nur noch in seinen zwei Händen, gerichtet auf uns beide, da ich genau neben ihr war. Momente, in denen ich einfach nichts mehr realisieren konnte, meine Sicht verschwommen, vergingen und ich hörte ein, dann zwei, dann drei Schüsse.
Dann wurde es schwarz.
...
"Frau Krasneqi?! Können Sie mich hören?" Eine unbekannte, gedämpfte Stimme weckte mich aus meiner unbequemen Bewusstlosigkeit auf dem Fußboden. Langsam öffneten sich meine Augen, doch ich sah nur verschwommen, wie sich ein paar Dinge in meiner Umgebung bewegten, was aber nicht hieß, dass nicht alle Erinnerungen von vorhin wieder hochkamen. Meine Sicht nahm immer mehr an Schärfe an, während die sanfte Stimme einer Frau mich weiter wachhielt. "Oh! Ihre Augen öffnen sich! Oh, und ihr Puls fängt an, wieder normal zu schlagen!"
Was zum...
"Die andere Frau Krasneqi, scheinbar die Mutter von Adelina Krasneqi, wird gerade im Krankenwagen auf die Schnelle kurz behandelt, die Kugel wird vorerst entnommen und kurz dannach fährt der Krankenwagen ins Kankenhaus, wo sie dann sofort verarztet wird. Wir werden dann eben mal-"
Es dauerte nicht lange, bis ich eins und eins zusammenzählte und... "Wo ist meine Mutter?!", schrie ich verzweifelt und wütend zugleich. Ich sah mich um, doch konnte sie nicht finden. "Wo habt ihr sie hingebracht?!"
Ein Mann in Polizistenkleidung kam auf mich zu und machte langsame Handbewegungen, die versuchen sollten mich zu beruhigen, doch vergeblich. Meine Mutter war nicht mehr hier und mein Drecksvater auch nicht! Das hieß nichts Gutes zu bedeuten.
"Beruhigen Sie sich, Frau Krasneqi. Alles ist in bester Ordnung, sie müssen sich keine-", fing der Polizist an, doch ich ließ ich nicht zu Wort kommen, weil ich genau wusste, was er zu sagen hatte.
"Verdammte Scheiße, wo ist meine Mutter?!" Mir war klar, dass mich jeder hier anschaute, als wäre ich ein hystrischer Vollhorst, doch es juckte mich nicht, würden sie das gleiche wie ich fühlen, die Trauer und die Sorge um meine Mutter, würden sie mich sicher verstehen. Doch das konnten sie nicht.
"Ihre Mutter war gerade noch im Krankenwagen, aber...", er brach ab und schaute Richtung Fenster. "...Nun wird sie ins Krankenhaus gefahren.", fuhr er fort. "Sie brauchen sich jedoch keine Sogen zu machen. Die Kugel, die ihre Mutter getroffen hatte, wurde entfernt und die Narbe muss nur noch genäht werden. Außerdem müssen Nachuntersuchungen durchgeführt werden und sobald ihre Mutter sich erholt hat, wird sie wieder entlassen." Mein Puls schlug so stark, dass ich ihn hinter meinen Augen spüren konnte. Ich nickte langsam, ehe ich mich erhob. Doch die Krankenschwester drückte mich wieder runter, worauf ich meine ganze Kraft gegen sie drückte, jedoch misserfolgt, sie war stärker und ich landete wieder auf den Fußboden. "Sie sollten sich ausruhen, das Ereignis von vorhin schien Sie wirklich mitgenommen zu haben, innen als auch äußerlich, deswegen sollten Sie-"
"Pff, ich muss gar nichts! Aus dem Weg!", ich schubste sie nach links, woraufhin sie ebenso auf den Boden fiel, erhob mich und ging bis an die Haustür. "Verdammt noch einmal, was denken bitte, wer Sie sind?!", schrie sie entsetzt, doch ich hatte schon eine perfekte Antwort darauf, ohne groß nachzudenken.
"Ich bin Albanerin.", ich setzte mein provokantestes Lächeln auf und lief raus auf den Bürgersteig. Mittlerweile wurde es schon leicht dunkel und der Himmel bedeckte sich immer mehr mit dunklen Wolken. Ich zog mein Handy aus meiner Jackentasche um zu schauen, wie viel Uhr wir hatten und ließ das Handy fast fallen, als ich sah, dass in vier Minuten meine Schicht begann. Ich musste vergessen, was gerade passiert war, dieser Job war mir zu wichtig, oder eher das Geld, das ich dort verdiente. Also lief ich, so schnell ich konnte, die Straßen auf und ab und kam schließlich nach Luft schnappend in den Club. Nicht zu-laute Hip-Hop Musik überkam mich, sowie gedimmte Lichter in den verschiedensten Farben und laute Gespräche der Menschen, die sich hier aufhielten.
"Ah, Adelina, da bist du ja! Warum siehst du so fertig aus, du fängst doch gerade erst an!", scherzte meine türkische Arbeitskollegin, Melina.
Ich lachte als Antwort mit uns sah kurz auf mich herab. Ich hatte mich immer noch nicht umgezogen, doch das war mir egal, schließlich sollte ich die Einzige in meinem Leben sein, die über das Aussehen von mir bestimmte.
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