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1/Oh mein Gott, Adelina!

Januar 2022

"Ich denke, wir sollten langsam wieder reingehen.", langweilte sich Arjeta, aber es juckte mich nicht.

Mit hochgezogenen Augenbrauen starrte ich sie an. "Damit du deinen Keniboy sehen kannst? Nein, danke, wir bleiben jetzt noch fünf Minuten hier."

Jetzt zog sie die Augenbrauen hoch. "Damit du dir noch eine rauchen kannst? Nein, danke, wir gehen jetzt rein.", befohl sie mir und zog mich mit rein, wobei mir die Zigarette auf den nassen Straßenboden fiel und ich traurig hinterherschaute. Wir betraten das Eiscafe und ich sprühte zwei Spritzer meines Coco Chanel-Mademoiselle- Parfüms auf meinen Hals ehe ich meine Kellnerschürze anzog.

"Oh mein Gott, Adelina!", kreischte sie aufgeregt, wie ein kleines Kind. Ich drehte meinen Kopf schnell zu ihr, nur um dann meine Hand auf ihrem Mund landen zu können.

"ARJETA!", flüsterte ich gefährlich. "Du versuchst unaufällig zu sein, dabei bist du das genaue Gegenteil! Der Typ hat eine Frau bei sich! Safe seine Frau."

Ihre Augen weiteten sich und sie schaute mich unschuldig an. "Tut mir Leid. Aber ich glaube, das sind Geschwister." Sie nickte ihren Kopf in Richtung Tisch, wo zwei Personen saßen. Ein junger Mann, den sie irgendwie attraktiv fand, und sie...Ich schaute genauer hin. Ich glaube, wir hatten uns schon einmal gesehen.

"Ich werde zu ihnen gehen und fragen, was sie bestellen möchten!", flüsterte sie mir zu und lief schon einmal auf den Tisch zu.

Ich erwachte aus meiner Starre und zog sie am Arm wieder zurück. "Nein. Ich mache es."

Sie runzelte die Stirn und ihr Mund klappte nach unten. "Willst du mich verarschen?!"

"Nein!", schrie sie im Flüstern. Dass so etwas überhaupt funktionieren konnte, war krass.

Ich ignorierte ihre Ansage und sprintete praktisch dahin, damit sie mich erst gar stoppen konnte. "Hallo!", begrüßte ich beide vielleicht ein bisschen zu übermotiviert.

Beide zogen ihre Augenbrauen hoch. "Ach, nur ein bisschen stressig heute.", versuchte ich mich zu retten. Ich packte ein Lächeln drauf, doch als sie sich umsahen und merkten, dass eigentlich sie die Einzigen hier im Eiscafe waren, die hier saßen, runzelten auch sie die Stirn.

Peinlich.

Ich räusperte mich und sie schenkten mir wieder die Aufmerksamkeit. "Was darf's sein?"

Die Frau schaute mir so tief in die Augen, dass ich meine eigene Gänsehaut spüren konnte. "Ein Spaghettieis bitte...I šta ćes ti?", die letzten Worte waren an ihn gewandt. Ich klipste den Kugelschreiber auf, damit er schreiben konnte und schrieb Spaghettieis in meinen Block.

No cap, aber diese Sprache kam mir bekannt vor. Vielleicht mazedonisch? Oder kroatisch?

"Isto. Ich hätte auch gerne ein Spaghettieis." Mein Herz machte einen Satz nach oben, als der Typ sein R rollte. Seine Blauen Augen schauten gefühlt durch mich hindurch.

Ich nickte hektisch und schrieb hinter Spaghettieis ein x2 hin. Ich ging ein paar Schritte nach hinten, bevor ich mich ganz umdrehte und in Richtung der Eistheke ging und meiner Mitarbeiterin zwei Mal Spaghettieis mitteilte.

Ich fiel fast hin, aus Reflex, als Arjeta mir brutal auf meinem Arm boxte. "Ahh!", stöhnte ich schmerzhaft auf.

"Hast du davon, du Hoe!"

"Junge, dein Ernst?! Ich habe einfach nur meinen Job gemacht."

In dem Moment setzten sich ein paar neue Leute auf die draußen hin. "Diesen Job hätte auch ich machen können!", schrie sie mich wieder mal an. "Ja, wenn du meinst. Dann mach doch jetzt deinen Job." Ich zeigte auf die Leute, die sich sicher ein Eis gönnen wollten. Sie drehte die Augen und machte auf den Absatz kehrt. Ich atmete erleichtert aus. Warum erleichtert, wusste ich aber auch nicht ganz genau. Ich schaute zu den beiden rüber, die sicher aus dem alten Jugoslavien kamen. Sie redeten nicht einmal normal miteinander, es schien so, als würden sie sich streiten. Ich sollte mich ja eigentlich auch nicht einmischen, aber ich hatte das Gefühl, ich kannte sie und ich wollte unbedingt herausfinden, wer sie ist.

Plötzlich sah ich Arjeta zum Tisch gehen. "Oh nein...", entging es mir leise.

Fuck, was zum Teufel tat sie da?!.

Sie nahm ihr Handy und tippte etwas darauf. Ich überlegte zu ihr gehen, und sie da wegzuziehen, aber das würde sich als echt komisch heraustellen, spätestens, wenn die beiden mich da sehen würden. Zuerst musste ich es langsam angehen. Kurze Minuten später drehte sie sich um und ging mit einem Lächeln auf mich zu.

"Was hast du getan, Arjeta?!"

"Ich hab nur meinen Job gemacht." Ich runzelte die Stirn. Auf dem Tisch waren die Spaghettieis schon verteilt. Anscheinend war sie das.

Ich gab ein Brummen von mir.

"Tja. Jedenfalls habe ich jetzt seine Nummer." ich spürte, wie meine Augen groß wurden.

"Bitte was?" Ich schluckte hart. "Wieso musse das sein, Arjeta?"

Sie zuckte die Schultern, ehe sie sich umdrehte und mich stehen ließ.

Und mein Herz machte wieder einen Satz nach unten.

[Milan Salinović]

"Hey, ich will nicht komisch klingen oder so, aber wäre es okay, wenn wir Nummern austauschen?", Sie lächelte und in ihren Augen konnte ich einen Hauch von Hoffnung sehen.

Ich nickte und holte mein Handy aus meiner Jackentasche. Ich nickte noch einmal, ein Zeichen, worauf sie reagierte und mir ihre Nummer diktierte und ich sie unter meinen Kontakten unter "unwichtig" einspeicherte. "Okay, danke. Bist übrigens hübsch." Ich nickte mal wieder dankend.

Als ich zu meiner Cousine Marija schaute, musste ich lächeln. Sie war mehr als nur genervt, das konnte man ihr ansehen. Anscheinend ging ihr die Kellnerin von vorhin nicht mehr aus dem Kopf, denn sie war seitdem, sie mir erzählt hatte, dass sie sie von irgendwo her kannte, abwesend. Selbst, wenn ich versucht habe, sie auf interessante Themen anzusprechen.

"Milan."

"Hm?" Ich schaute auf mein Spaghettieis und war irgendwie enttäuscht. Eigentlich wollte ich ein Straciatellaeis aber ich wusste nicht, dass die das hier hatten, bis ich mir noch einmal die Speisekarte durchgelesen habe.

"Ich habe das Gefühl, ich kenne sie von irgendwo her."

Ich schaute auf. "Das hast du schon gesagt."

"Ja, ich weiß, aber...ach, keine Ahnung. Milan, ich will wissen wer das ist, jetzt mal ehrlich."

"Mhm. Ich hab die Nummer ihrer kleinen Freundin, wir können sie fragen."

Sie nickte hektisch. "Oh mein Gott, stimmt!"

"Aber sei nicht so auffällig." warnte ich sie. "Okay.", sie schien erleichtert. "Kennt sie dich auch irgendwo her? Sie hat dich so angeguckt..."

"Ach, jedes Mädchen schaut mich so an. Nichts neues.", versuchte ich mir nichts anmerken zu lassen. "Am Ende landen wir eh im selben Bett."

"Milan!", flüsterte Marija dramatisch, woraufhin ich nur mit den Schultern zuckte. Ehrlich gesagt hatte ich echt das Gefühl, dass wir uns schon ewig kannten. Ihre Augen waren wunderschön.

Ich schüttelte meinen Kopf, als ich merkte, woran ich dachte.

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