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Kapitel 4

Vincenzos Sicht

Er wachte jeden Morgen mit dem Wunsch auf, das Richtige zu tun, ein guter und sinnvoller Mensch zu sein und, so einfach es auch klingen mag und so unmöglich es auch war, glücklich zu sein.

Und jeden Tag sank sein Herz ihm aus der Brust in den Magen. Am frühen Nachmittag überkam ihn das Gefühl, dass nichts stimmte oder nichts für ihn richtig war, der Wunsch, allein zu sein.

Am Abend war er zufrieden, allein in der Wucht seines Kummers, allein in seiner ziellosen Schuld. Allein selbst in seiner Einsamkeit. „Ich bin nicht traurig“, wiederholte er immer wieder zu sich selbst.

Ich bin nicht traurig.

Als ob er sich eines Tages selbst überzeugen oder täuschen könnte, oder andere. Das Einzige, was schlimmer ist, als traurig zu sein, ist, wenn andere wissen, dass man traurig ist. Denn sein Leben barg unbegrenztes Potenzial für Glück, insofern es ein leerer, weißer Raum war.

Er schlief ein, das Herz unter dem Bett, wie ein Haustier, das ihm fremd war. Und jeden Morgen wachte er wieder auf, sein Herz lag nun in seinem Brustkorb, etwas schwerer, etwas schwächer, aber immer noch schlagend. Und am Nachmittag überkam ihn erneut die Sehnsucht, woanders oder bei jemand anderem zu sein.

Jeder Mensch hat seine geheimen Sorgen, von denen die Welt nichts weiß; die Stille, die folgte, als er das Café betrat, war eine schmerzhafte Erinnerung daran, was andere über ihn dachten.

Erbarmungslos und kalt.

Oft bezeichnen wir einen Mann als gefühlskalt, obwohl er nur traurig ist – das ist die bittere Wahrheit des Lebens. Niemand interessiert sich dafür, was hinter verschlossenen Türen geschieht; man urteilt nur nach dem, was man sieht.

Sein einziger Wermutstropfen ist, dass er die Vergangenheit und das, was sie aus ihm gemacht hat, nicht ändern konnte, was in seinem Herzen Einsamkeit hinterlassen hat. Millionen von Menschen möchten in seiner Nähe sein, aber nur wenige kümmern sich wirklich um ihn.

Seine Familie (Vater, Mutter, zwei Brüder, eine Schwester und sein Sohn – das sind nicht seine Verwandten, sondern diejenigen, die behaupten, mit ihm verwandt zu sein) – alle anderen wollen nur etwas von ihm, meistens sein Leben.

Er glaubte erst, dass sein Herz wieder schlagen könnte, als er sie sah.

Ein zerbrechliches, schüchternes und sanftes Mädchen, das sein Herz nach Jahren zum ersten Mal wieder zum Schlagen gebracht hat.

Sie hatte eine wohlgeformte, spindeldürre Figur. Ihre Taille war schmal, ihr Teint von sonnengebräunter Farbe, und ihre geschwungenen Augenbrauen blickten auf lange Wimpern herab. Ihre zarten Ohren umrahmten eine Stupsnase.

Ein strahlend weißes Lächeln blitzte auf, als sie sanft auf ihre karminroten Fingernägel hauchte. Es war ein Genuss, ihr wallendes, erdbeerblondes Haar zu sehen. Ihre verführerischen, sternenblauen Augen blickten ihn über ihre vollen, herzförmigen Lippen hinweg an.

In seinen Augen wirkte sie wie eine Halbgöttin, ihre zarte Gestalt verlockte ihn, sie für immer in seinen Armen zu halten. Und als sie lächelte, stockte ihm fast der Atem. Ihre Stimme war so süß, dass sie jedes steinerne Herz erweichen konnte, selbst sein Herz, das aus Stein zu bestehen schien, schien allein durch ihre Stimme zu schmelzen.

Wer ist sie?, fragte er sich.

Ein Engel, antwortete er selbst.

Er begehrte sie, und der Gedanke, dass sie mit einem anderen zusammen sein könnte, ließ sein Blut kochen. Sie könnte seine Einsamkeit und Bitterkeit vertreiben. Er könnte sie einfach nach Hause zerren, entschied sich aber dagegen. Sie verdiente Besseres, doch tief in seinem Herzen wusste er, dass sie nicht freiwillig mit ihm zusammen sein würde.

Er ist schließlich der Boss der Mafia, ein Mädchen wie dieser Engel würde nicht mit ihm zusammen sein, und deshalb würde er sie mit Gewalt bekommen.

Er würde alles tun, um sie an seiner Seite zu behalten, und niemand könnte ihn davon abhalten.

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