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Kapitel 3

Ein scharfer, heftiger Schmerz durchzog meine Brust. Es war, als müsste ich zusehen, wie er unser Leben mit eigenen Händen zerfetzte und es als kurzweilige Unterhaltung behandelte.

Der Verrat war so unverhohlen, so grausam.

Mein Herz hämmerte wild gegen meinen Brustkorb, der Schmerz war so real, dass ich das Gefühl hatte, einen physischen Schlag zu erleiden.

Rayko kehrte zurück, ein entspanntes Lächeln auf dem Gesicht. „Entschuldige, dieser dringende Stammesnotfall ist erledigt.“

Er legte seinen Arm um meine Schultern. „Geht es dir gut? Du siehst so blass aus.“

Ahnungslos. Völlig, unerträglich ahnungslos.

„Ich habe nur leichte Kopfschmerzen.“ Ich entzog mich ihm ein Stück.

Ich starrte ihn an, diesen Wolf, den ich einst geliebt hatte, diesen Alpha, der mein Leben gerettet hatte und es nun zugrunde richtete.

„Rayko“, begann ich mit leiser, aber fester Stimme, „wenn ein Alpha, ein Gefährte, eine Affäre hätte ... was würdest du von ihm halten?“

Er runzelte die Stirn, überrascht von meiner Frage.

„Das wäre die schlimmste Gotteslästerung gegenüber der Mondgöttin!“, erklärte Rayko mit Nachdruck. „Den Schicksalsgefährten zu betrügen, stellt die Autorität der Göttin in Frage. Solch ein Verräter verdient göttliche Strafe, seine Seele wäre für immer vom Schoß der Göttin ausgeschlossen. Besonders wenn er eine Gefährtin hat, die ihn liebt und ihm vertraut - ein solcher Verrat ist absolut unverzeihlich, Isa, da gibt es keinen Raum für Gnade.“

Seine Heuchelei ließ mich bis ins Mark erschauern. Er tat genau das, konnte aber so selbstgerecht über göttliche Bestrafung sprechen.

Seine Kommunikationsrune blinkte erneut. Er warf einen Blick darauf, zuerst ärgerlich, dann kam etwas anderes in seinen Blick - Besorgnis?

„Verdammt“, murmelte er, „noch ein dringendes Stammesproblem. Ein neuer Patrouillen-Rekrut hat etwas verbockt. Ich muss mich darum kümmern. Marcus ist dieser Aufgabe nicht gewachsen.“

Er küsste mich flüchtig auf die Wange. „Bleib hier, genieß den See. Ich bin bald zurück. Das verspreche ich dir.“

Er eilte davon.

Ich sah seiner sich entfernenden Gestalt nach, und kalte Gewissheit breitete sich wie ein Fleck in meinem Herzen aus.

Ich rief einen Botenfalken.

„Folge diesem Wolfreiter in Schwarz“, befahl ich dem Falken und deutete in Raykos Richtung. „Bleib ungesehen.“

Der Wolfreiter steuerte nicht auf den Ältestenratssaal zu.

Er bewegte sich auf ein neu errichtetes, luxuriöses Baumhaus an der Grenze zu.

Ich wartete im fernen Dickicht.

Zehn Minuten später erschien Rayko aus dem Baumhaus.

Mit Avira Thorn.

Avira lachte, ihr Griff an seinem Arm war fest. Rayko sah mit besitzergreifender Nachsicht auf sie herab.

Sie blieben auf der Lichtung vor dem Baumhaus stehen.

Er zog sie in seine Arme, und sie küssten sich.

Ein langer, leidenschaftlicher, tiefer Kuss. Mitten am helllichten Tag.

Ich sah zu und spürte, wie mein Blut in meinen Adern gefror.

Dann bestiegen sie seinen Wolfreiter. Die Vorhänge waren zugezogen, aber ich konnte die sich bewegenden Schatten dahinter erkennen.

Der Wolfreiter begann erst sanft, dann immer deutlicher zu wippen.

Genau dort, auf der Lichtung.

Ich schloss die Augen.

Ich erinnerte mich an unsere Hochzeitsnacht.

Wie sanft Rayko damals gewesen war, wie ehrfürchtig.

Er hatte mir gesagt, er wolle, dass unser erstes Mal als Gefährten vollkommen und heilig sei.

Er war so rücksichtsvoll gewesen, so liebevoll.

Es hatte sich angefühlt wie eine wahre Vereinigung der Seelen.

Und jetzt ... dies.

Diese rohe Darbietung mit seiner Geliebten in einem Wolfreiter.

Der Gegensatz wand sich wie ein glühendes Messer in meinem Herzen.

Der Botenfalke stieß einen leisen Frage-Laut aus.

„Es geht mir gut“, log ich mich selbst an, öffnete die Augen und stellte fest, dass Tränen mein Gesicht hinunterliefen.

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