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Kapitel 5 — Der Geschmack des Risikos 5

SANAA

Ich brauche meine Augen nicht zu öffnen, um zu wissen, dass er immer noch da ist.

Sein Arm umschlingt mich wie eine sanfte Fessel.

Sein Oberkörper gegen meinen Rücken ist warm, fest.

Und zwischen meinen Oberschenkeln spüre ich noch seine Spuren.

Er schläft nicht.

Ich spüre seinen warmen Atem gegen meinen Nacken.

Und dieses Gewicht, da, gegen meinen Hintern: Lebendig, wach, hungrig.

Ich bewege mich leicht, nur so viel, um ihn herauszufordern, damit er sich ein wenig mehr an mich drückt.

Seine Hand gleitet über meinen Bauch.

Seine Finger sinken hinab.

— Willst du es wiederholen, murmelt er.

— Ja.

Ich drehe mich um, klettere auf ihn.

Es gibt keine Worte mehr. Kein Bewusstsein.

Nur das Bedürfnis.

Ich führe ihn langsam in mich.

Er grunzt, sein Mund offen an meinem Hals, seine Hände an meinen Hüften festhaltend.

Dieses Mal ist es langsam, tief, umhüllend.

Seine Augen sind in meinen, und ich lese etwas darin, das mir Angst macht.

Ich bewege mich gegen ihn, wölbe meinen Rücken, ziehe mich fest, und er folgt mir.

Jeder Stoß ist präzise, intensiv, kontrolliert.

Als ich komme, beiße ich mir auf die Lippe, um nicht zu schreien.

Und er folgt mir mit einem langen, gedämpften Stöhnen, als würde er gegen sich selbst ankämpfen.

Die Zeit dehnt sich, dann bricht sie zusammen.

Ich schlüpfe unter die Dusche, mein Körper noch schmerzhaft vor Vergnügen.

Unter dem Wasser streiche ich mit meinen Händen über meinen Bauch, über meine Hüften.

Er hat mich geprägt. Von innen.

Als ich herauskomme, steht er bereits auf, makellos.

Dunkler Anzug, glänzende Uhr, dezenter Duft.

Er knöpft seine Manschettenknöpfe zu, als wäre nichts passiert.

— Du bist spät, wirft er einfach hin.

— Wofür?

— Die Sitzung um 9 Uhr. Schulung in strategischer Finanzwirtschaft, hast du vergessen?

Ich ziehe die Augenbrauen zusammen.

— Bist du der Trainer?

Er wirft mir einen Blick über die Schulter zu, ein halbes Lächeln auf den Lippen.

— Was, bist du nicht froh, dass ich es bin?

Er knallt die Tür zu. Und lässt mich nackt, allein, noch glühend zurück.

Ich nehme unauffällig hinten im Raum Platz.

Das weiße Licht brennt in meinen Augen, die Gespräche um mich herum sind verschwommen.

Aber mein Körper ist angespannt, jeder Nerv wach.

Und dann tritt er ein.

Makelloser Anzug. Akte unter dem Arm.

Autoritäre Haltung, Distanz in den Augen.

Kein Blick für mich.

Kein Zeichen.

Nichts.

Er setzt sich.

Öffnet seinen Laptop.

Beginnt zu sprechen.

— Guten Morgen allerseits. Heute werden wir mit dem Modul zur fortgeschrittenen Finanzverwaltung beginnen, insbesondere zur Bewertung von Risiken im Zusammenhang mit Investitionen in instabilen Umfeldern.

Seine Stimme ist ruhig. Beherrscht.

Keine Spur von dem, was er mir heute Morgen gesagt hat. Von dem, was er mit meinem Körper gemacht hat.

Ich rutsche in meinem Stuhl herum.

Ich kreuze und entkreuze die Beine.

Er spricht von Kennzahlen, Cashflow, Prognosen.

Aber ich höre seine Stimme, die mir etwas anderes sagt.

Ich erinnere mich an seine Hände.

An seine Hüften, die gegen meine schlugen.

An seine Zunge auf meiner Haut.

Und er… er rührt sich nicht.

— Wenn wir die Risiken von Fusionen und Übernahmen analysieren, fährt er fort, ist es wichtig, das Emotionale vom Rationalen zu unterscheiden. Diese Disziplin macht den Unterschied zwischen einem guten Investor… und einem Impulsiven.

Er fixiert die gesamte Gruppe.

Dann bleibt sein Blick einen Bruchteil einer Sekunde auf mir haften.

Nichts in seinem Gesicht.

Aber diese Sekunde bringt mich um.

Ich presse die Oberschenkel zusammen.

Ich zwinge mich, den Bildschirm anzustarren.

Notizen zu machen.

Zu atmen.

Aber ich spüre immer noch seinen Abdruck zwischen meinen Oberschenkeln.

Ich bin immer noch durchnässt.

Und er, dort drüben, tut so, als wäre ich irgendjemand.

Ich hebe den Blick.

Er dreht leicht den Kopf zu mir.

Ein kaltes Lächeln.

Und dieser Satz, wie eine maskierte Ohrfeige hingeworfen:

— Und manchmal ist es besser, nichts zu vermischen: Gefühle und Finanzen, sehr schlechte Gleichung.

Ich versteife mich.

Die Botschaft ist klar.

Du gehörst mir im Schatten und bist im Licht unsichtbar.

In der Mittagspause gehe ich allein in den Flur.

Ein Kloß im Magen. Das Feuer ist immer noch da, aber mit Wut vermischt.

Ein Schritt hinter mir.

Ich würde seine Präsenz unter tausend erkennen.

— Hast du nichts im Zimmer vergessen?

Ich drehe mich um. Langsam. Der Blick schneidend.

— Doch, ein wenig Respekt. Und vielleicht eine Erklärung.

Er kommt näher. Zu nah. Zu ruhig.

— Willst du, dass ich dich vor allen wie eine Geliebte behandle? Willst du, dass man dich mit dem Mädchen in Verbindung bringt, das mit dem Trainer schläft?

Ich bleibe wie erstarrt stehen.

Er fügt fast im Flüsterton hinzu:

— Du hast mir gesagt „nimm mich“. Nicht „liebe mich“.

— Arschloch.

Er lächelt.

— Sprechen wir heute Abend darüber?

Und er entfernt sich.

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