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Kapitel 11 Nur weil ich dich mag, bist du so hemmungslos, mich zu verletzen und zu schikanieren

In diesem Moment konnten die Tränen nicht aufhören zu fließen und machten ihre Kleidung nass. Draußen war es vollkommen still. Sie wusste nicht, ob Hamish gehört hatte, was sie gesagt hatte, aber eines war sicher - es hatte ihn nie interessiert, ob sie starb. Er würde sich nicht um sie kümmern.

Elisa blieb abrupt stehen. Sie wischte sich ungeordnet die Tränen weg und rollte sich auf dem Boden zusammen, mit dem Rücken gegen die Tür. Sie biss sich auf den Handrücken, um nicht loszuschreien.

Ihre Jugend, ihre Liebe, ihre Ehe - all das hatte mit Hamish begonnen, und nun endete es auch mit ihm.

Hamish, ich habe dich sechzehn Jahre lang geliebt. Wie viele sechzehn Jahre gibt es in einem Leben? Wie konntest du meine Gefühle für dich ausnutzen, um mich so zu schikanieren?

Elisa stieß ein schmerzhaftes Wimmern aus. Sie hatte nicht gefrühstückt, sondern nur ein Glas Milch getrunken. Jetzt war sie hungrig, und ihr Magen krampfte sich unangenehm zusammen.

Mit letzter Kraft kroch und taumelte Elisa ins Badezimmer. Sie öffnete die Toilette und begann heftig zu würgen, wobei sie nichts als saure Flüssigkeit auskotzte, die ihr im Hals brannte.

Auch nach dem Erbrechen zog sich ihr Magen weiter zusammen. Elisa wusste, dass sie sich nicht mehr übergeben konnte, weil sie sonst zu bluten beginnen würde. Sie hielt sich verzweifelt den Mund zu und stöhnte vor Schmerzen.

Elisa ging zurück ins Schlafzimmer und holte die beiden Flaschen mit den Medikamenten aus der Schublade. In den nächsten drei Tagen würde sie sich auf diese verlassen müssen, um zu überleben. Da es im Zimmer kein gereinigtes Wasser gab, konnte Elisa die Tabletten nur mit Leitungswasser aus dem Bad schlucken.

Ihre Speiseröhre war dünner als die von normalen Menschen. Die trockenen Pillen blieben in ihrer Kehle stecken und lösten sich langsam in eine bittere Säure auf. Elisa unterdrückte ihren Brechreiz, während sie sich zwang, vier Pillen zu schlucken, und brachte sich damit selbst in Schwierigkeiten.

Nachdem sie die Medizin heruntergeschluckt hatte, musste Elisa noch einmal husten. Die Pillen, die sie gerade geschluckt hatte, schienen ihr wieder in den Hals zu steigen. Sie hielt sich gewaltsam den Mund zu. Der bittere Geschmack verweilte unaufhörlich in ihrem Mund.

Elisa rollte sich im Bett zusammen und drückte sich an eine Bettdecke. Sie wartete vom Tag auf die Nacht. Das ursprünglich schwüle Wetter fühlte sich jetzt an wie der tiefste Winter und ließ sie bis zum Delirium frieren.

Elisas Pupillen schwammen unregelmäßig. Als das Licht immer dunkler wurde, begann sie sich wie eine Schildkröte unter der Decke zu verstecken.

Draußen donnerte es und ein Blitz schlug ein, dessen heller Blitz das ganze Schlafzimmer für einen Augenblick erhellte.

Der Raum, den sie so warm und gemütlich eingerichtet hatte, sah jetzt erschreckend aus. Licht und Schatten kreuzten sich an den Glasfenstern. Ein weiterer Blitz schlug inmitten eines ohrenbetäubenden Donners ein und schien den ganzen Himmel zu zerreißen.

"Ah!" Elisa stieß einen Schrei aus und drückte sich fest an die Bettdecke. Ihr Körper war von kaltem Schweiß durchtränkt.

In der pechschwarzen, stürmischen Nacht konnte sie keine fünf Finger vor sich sehen. Wenn Menschen in Angst verfallen, neigen ihre Gedanken dazu, wild zu werden. Sie stellte sich vor, wie ein Monster an der Decke auftauchte, um sie zu verschlingen, und wie ein Arm neben dem Bett nach ihr griff, um sie zu packen. Sie wagte nicht, sich zu bewegen, sondern drückte sich nur fester an die Schultern.

"Hamish."

"Hamish."

"Hamish!" Sie rief seinen Namen, ihre Stimme wurde zitternd bis heiser vor Verzweiflung, als wollte sie diesen Mann brutal aus ihrem Herzen reißen.

Der leere Raum gab keine Antwort, nur das dumpfe Grollen des Donners draußen.

Sie fühlte sich wie eine verlassene Person, unerwünscht und dazu bestimmt, vergessen zu werden.

Elisa fing wieder an zu weinen. Sie konnte nicht sagen, ob es emotionale Tränen waren oder nur ein körperlicher Reflex.

Nachdem er die Tür abgeschlossen hatte, verließ Hamish North Banbury. Sein Telefon klingelte mit einer Wetterwarnung - Gewitter heute Nacht.

Hamish warf einen kurzen Blick darauf, bevor er sein Telefon wieder in seine Tasche steckte. Er erinnerte sich, dass Lila Angst vor Gewitter hatte. Und Elisa, wenn sie es wagte, ihm zu trotzen, würde sie sich dann vor einem einfachen Gewitter fürchten?

Hamish fuhr in Richtung Lilas Wohnung, aber seine Gedanken kreisten unwillkürlich um Elisa. Sein ganzes Wesen fühlte sich unruhig an, als hätte man ihm die Seele entrissen.

Hamish hasste es, auf diese Weise kontrolliert zu werden. Er umklammerte das Lenkrad mit festem Griff. An einer Ampel konnte er nicht anders, als mit der Faust auf das Lenkrad zu hämmern.

Lilas Gesicht war etwas verhärmt, nachdem sie sich gerade von einer Krankheit erholt hatte. Als sie Hamish hereinkommen sah, leuchteten ihre Augen vor freudiger Überraschung auf.

Das ursprünglich blasse Gesichtchen gewann durch Hamishs Ankunft wieder etwas an Lebendigkeit. "Hamish, hast du schon gegessen?"

"Nein."

"Dann mache ich uns etwas zu essen, damit wir zusammen essen können." Dieses Haus hatte Hamish für sie gekauft, und auch die Zutaten im Kühlschrank wurden von jemandem ausgewählt, den er angeheuert hatte - alles hochwertige Produkte. Es gab niemanden auf dieser Welt, der diesen Mann besser kannte als sie, und das war ein Bereich, in dem Elisa nicht mithalten konnte.

Hamish nickte stumm und kehrte ins Wohnzimmer zurück. Er schaltete den Fernseher ein, auf dem gerade die beliebteste Varietéshow lief, mit ständigem Gelächter im Hintergrund. Aber er fühlte sich überhaupt nicht amüsiert.

Er starrte auf den Fernseher und musste unwillkürlich an Elisa denken - ihre tränenverschleierten Augen, ihr Gesicht so trocken und blass wie altes Papier. Sein Herz tat weh.

Als er das Schlafzimmer verlassen hatte, hatte er Elisas heisere Schreie gehört.

Sie hatte gesagt, dass sie sterben würde.

Eigentlich sollte es ihm egal sein, warum also stach sein Herz plötzlich so heftig, als würde er von einer Nadel gestochen? Dieser subtile Schmerz breitete sich in seinem Blut aus und erreichte jeden Winkel seines Körpers. Seine Stirn zuckte.

Hamish drückte auf seine Schläfe, wo eine Ader unaufhörlich pulsierte.

Seine Stimmung wurde immer unruhiger. Als er auf dem Sofa saß, hatten sich seine Zehen bereits unbewusst in Richtung Eingangstür geschoben.

Als Lila mit der frisch gekochten Suppe herauskam, stieg ihr ein stechender Rauchgeruch in die Nase. Sie blickte in Richtung der Quelle und sah den Mann auf dem Sofa liegen, die Hemdsärmel hochgekrempelt, so dass kräftige, gut definierte Unterarme zum Vorschein kamen. In seinen langen, schlanken Fingern hielt er eine Zigarette, während er nach unten starrte, um einen Zug zu nehmen, wobei der bläulich-weiße Rauch sein Gesicht verdeckte und seinen Ausdruck verschleierte.

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