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Kapitel 3

Fabiolas Sichtweise

Am nächsten Tag sitze ich auf der Kante des kleinen Tisches im Büro des Privatdetektivs und trommle nervös mit den Fingern auf den Tisch.

Ich hab einen Privatdetektiv engagiert, der Beweise für die Affäre zwischen Adrián und Laura gesammelt hat.

Der Typ sitzt mir gegenüber und holt einen Stapel Fotos aus seiner Aktentasche. Ich spüre schon ein schweres Gefühl in meiner Brust, bevor ich sie überhaupt gesehen habe.

Zuerst sagt er nichts, sondern schiebt einfach das erste Foto über den Tisch, und ich will fast nicht hinsehen.

Aber ich tue es doch.

Da sind sie. Adrián. Mein Mann. Mein Adrián. Und Laura. Seine erste Liebe. Die Frau, die ihn vor Jahren verlassen hat. Die Frau, von der ich dachte, sie sei nur eine ferne Erinnerung. Aber da sind sie, umarmt, ihre Gesichter nah beieinander, dieselbe Wärme, die ich in seinen Augen sah, wenn er mich ansah, richtet sich jetzt auf sie.

Das Bild trifft mich wie ein Schlag in den Magen.

Ich schaue den Ermittler mit klopfendem Herzen an. „Wie lange schon?“ Meine Stimme bricht, kaum mehr als ein Flüstern: „Wie lange geht das schon so?“

Er räuspert sich und blättert durch den Stapel. „Es hat vor einem Monat angefangen, aber laut Überwachung wurde es nach zwei Wochen richtig ernst. Sie haben sich fast jeden Tag getroffen. Ich habe noch mehr Fotos, wenn du sie sehen willst.“

Einen Monat. Ich war drei Monate in Europa. Die ganze Zeit über hatte ich keine Ahnung. Ich dachte, ich würde ihm nur Freiraum geben, ihn atmen lassen. Ich dachte, dass ich bei meiner Rückkehr vielleicht gute Nachrichten vorfinden würde, einen Neuanfang, da wir uns doch nur gestritten hatten. Aber die ganze Zeit über war er mit ihr zusammen.

Der Ermittler schiebt weitere Fotos über den Tisch.

Es gibt ein Foto von Adrián und Laura in einem Park, lachend, mit verschränkten Händen. Sie sehen aus wie ein Paar, das einen ruhigen Nachmittag genießt, als ob die Welt außerhalb der Blase, die sie geschaffen haben, nicht existieren würde.

Auf dem nächsten Foto sitzen sie in einem Café, beugen sich zueinander, flüstern sich ins Ohr und sind völlig abgehoben von der Welt um sie herum.

Es ist alles so ... ungezwungen. So natürlich. Als würden sie das schon seit Ewigkeiten tun.

Der Ermittler blättert durch weitere Fotos: Adrián und Laura sind im Supermarkt und suchen gemeinsam Wein aus, ganz entspannt miteinander.

Adrián beugt sich lachend vor, um sie unter einer Straßenlaterne auf die Wange zu küssen. Und das Schlimmste von allem: Adriáns Hand liegt auf Lauras Rücken, als sie ein Hotel betreten.

Das zerstört jede Hoffnung, die ich noch hatte.

Sie versuchen nicht einmal, es zu verbergen.

„Bist du sicher?“, frage ich mit einem bitteren Geschmack im Mund. „Ist das nicht nur ... ein Zufall?“

Der Ermittler schaut mich mit einem kalten, aber freundlichen Blick an, fast so, als hätte er das schon oft gesehen. „Sie haben sich an verschiedenen Orten getroffen, und das schon seit einiger Zeit. Sie machen sich keine Mühe, ihre Beziehung geheim zu halten.“

Ich schlucke schwer, ein Kloß bildet sich in meinem Hals. Die Bilder sind unbestreitbar. Es gibt keine Möglichkeit mehr, es zu verbergen.

Adrian war mit ihr zusammen. Er war mit ihr zusammen, der Frau, die ihn vor so vielen Jahren verlassen hat. Und jetzt ist sie zurück. Und ich war so dumm zu glauben, dass wir an etwas gearbeitet haben, dass wir gemeinsam eine Zukunft aufgebaut haben.

Ich schaue mir noch einmal das letzte Foto an, auf dem sie das Hotel betreten. Ich sollte wütend, verletzt und angewidert sein. Stattdessen fühle ich nur Taubheit.

Es ist, als hätte man mich so oft geschlagen, dass ich die Schläge nicht mehr spüre.

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