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Kapitel 4

Am nächsten Tag meldete sich mein Anwalt: Alle Visa- und Arbeitsformalitäten seien erledigt. Der Flug war in drei Tagen gebucht.

In diesem Moment hörte ich ein Schlüsselgeräusch im Schloss.

Der Klackern von High Heels ging direkt ins Wohnzimmer.

Es war Tamara Franck.

Ihre Stimme trug einen Anflug von gespielter Überraschung: „Stephan macht sich immer noch Sorgen um dich und hat mich geschickt. Oh, ich vergaß - du kannst ja nicht sehen.“

Ich blieb reglos auf dem Sofa sitzen. „Du kommst ungebeten, Tamara. Was willst du?“

Sie setzte sich mir gegenüber, ich konnte sogar ihr Parfüm riechen.

Dieselbe Marke, die Stephan mir einst geschenkt hatte.

Der exakt gleiche Duft, nun auch an Tamara Franck.

Ich lächelte bitter in mich hinein.

„Nichts Besonderes. Ich wollte dir nur etwas mitteilen.“ Ihre Stimme trug den unüberhörbaren Triumph einer Siegerin. „Stephan und ich fliegen nächsten Monat zusammen in die Schweiz zu einem internationalen Medizinkongress. Jeder Teilnehmer darf eine Begleitperson anmelden - er hat mich eingetragen.“

Mein Herz fühlte sich an, als würde eine unsichtbare Faust es erneut zusammendrücken.

„Anneli Böhmer, wie lange willst du den Platz als Frau Ramberg noch blockieren? Du bist nur noch ein Klotz am Bein. Du verdienst es nicht, an seiner Seite zu stehen!“

Dann spielte sie triumphierend eine Aufnahme ab. Stephans erschöpfte Stimme war zu hören:

„Wenn Anneli doch nur so vernünftig wäre wie du. Weißt du, jedes Mal, wenn ich sie halte, fühlt es sich an wie eine Pflichtübung. Wenn ich in ihre leeren Augen schaue, ist es, als ... umarme ich eine seelenlose Puppe.“

Ihre Worte trafen wie vergiftete Pfeile mein ohnehin schon zerrissenes Herz.

„Hast du das gehört? Sei vernünftig und unterschreib freiwillig die Scheidungspapiere. Sonst zeige ich dem ganzen Krankenhaus, wie ihre einstige OP-Göttin jetzt wie eine Verzweifelte an einem Mann klammert, der sie nicht mehr liebt.“

Mein Blindenstock fiel zu Boden und erzeugte ein hartes Geräusch. Doch ich sprach ruhig.

„Stephan Ramberg will ich nicht mehr. Ich hatte nie vor, mir einen Dreckskerl mit dir zu teilen.“

„Du Blinde wagst es, Stephan so zu nennen!“

Tamara Franck wollte gerade weiterfahren, als ihr Handy klingelte. Sie brach unseren Streit ab und ging ins Arbeitszimmer.

Bruchstücke ihrer Worte drangen zu mir.

„Das hast du gut gemacht. Das Geld ist kein Problem, schick mir deine Kontonummer, ich überweise es sofort. Sag einfach, du leidest unter einer psychischen Erkrankung, ich schreibe dir ein Attest über eine neurologische Störung aus. Keine Sorge, niemand wird dich zur Rechenschaft ziehen. Eine Blinde kann keinen Aufruhr machen.“

Tamara Franck war völlig unvorsichtig und bemerkte nicht, dass die Tür zum Arbeitszimmer einen Spalt offen stand. Ihr gesamtes Gespräch drang Wort für Wort an mein Ohr.

Das Blut in meinen Adern schien augenblicklich zu gefrieren.

Ich stand wie erstarrt da, eiskalt am ganzen Leib. Die Haushälterin kam zitternd, um mich zu stützen, doch ich schob sie weg.

Tastend fand ich den Weg zurück in mein Zimmer und verriegelte die Tür.

Ich konnte nicht länger warten.

Ich rief meinen Anwalt an. „Ich habe die Aufnahme. Sie kann als Beweis dienen, dass Tamara Franck mich geschädigt hat. Ich werde sie verklagen und eigenhändig alles zerstören, wovon sie träumt!“

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